Herzwürmer beim Tierschutzhund – warum die Diagnose oft erst später kommt
Als Motte bei mir eingezogen ist, wusste ich, dass ein Hund aus dem Tierschutz immer einen Rucksack mitbringt. Was genau darin steckt, weiß man vorher nicht.
Ein Jahr zuvor habe ich meinen Seelenhund ganz plötzlich und unerwartet verloren. Dieser Verlust saß tief. Mir war deshalb wichtig, mir keinen Hund nach Hause zu holen, dessen gesundheitliche Herausforderungen ich emotional nicht tragen kann. Nicht, weil ich mich drücken wollte – sondern weil ich sehr genau wusste, wo meine Grenzen liegen.
Vor der Ausreise wurden Schnelltests auf Mittelmeererkrankungen gemacht. Damals habe ich mich darauf verlassen. Erst später habe ich verstanden, dass diese Tests nicht zuverlässig sind und sowohl falsch negativ als auch falsch positiv ausfallen können. Mir war außerdem bewusst, dass manche Infektionen erst Monate später nachweisbar sind. Deshalb stand für mich von Anfang an fest: Nach sechs Monaten lasse ich einen Mittelmeererkrankungs-Spät-Test durchführen.
Dass ein Tierschutzhund krank nach Adoption werden kann, war mir theoretisch bewusst – aber es selbst zu erleben, ist etwas anderes.

Der Mittelmeererkrankungs-Spät-Test im Juni
Im Juni war es dann so weit. Motte war unauffällig. Keine Atemprobleme, kein Husten, nichts, was mich akut alarmiert hätte.
Das Ergebnis traf mich trotzdem.
Makrofilarien positiv. Antigene nachweisbar. Adulte, weibliche Herzwürmer.
Ich wusste in diesem Moment noch nicht genau, was das medizinisch im Detail bedeutet. Aber ich wusste, dass wir jetzt vor einer Entscheidung stehen.
Die Entscheidung zur Therapie
Nach der Diagnose beginnt automatisch die Recherche. Slow-Kill oder Fast-Kill-Therapie. Unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Erfahrungsberichte.
Ich habe Studien gelesen und mich intensiv mit der leitliniengerechten Therapie beschäftigt. Am Ende habe ich mich für die Fast-Kill-Variante entschieden – zunächst Doxycyclin über einen Monat, danach eine Pause, anschließend die Injektionen in die Rückenmuskulatur mit begleitender Medikation und klarer Bewegungseinschränkung.
Mit Beginn der Injektionen veränderte sich unser Alltag deutlich. Die Spaziergänge wurden stark reduziert. Kein Toben, keine Aufregung, keine Situationen, die Herz- oder Atemfrequenz unnötig erhöhen. Das Risiko von Embolien durch absterbende Würmer war real, und dieses Wissen war im Hintergrund immer präsent.
Diese Monate waren für mich sehr herausfordernd. Nicht dramatisch im Außen, aber innerlich anstrengend. Motte und ich – wir zwei – mussten unseren Alltag komplett anpassen. Ich habe bewusst darauf verzichtet, mich in sozialen Medien oder Foren zu verlieren. Dort liest man vor allem von Komplikationen. Mir war wichtig, mich auf die behandelnde Praxis zu verlassen und klare Entscheidungen zu treffen, ohne mich ständig von fremden Erfahrungen verunsichern zu lassen.

Therapie abgeschlossen – und dennoch nicht am Ende
Ende Oktober war die Therapie abgeschlossen. Der spätere Kontrolltest zeigte keine nachweisbaren Antigene mehr. In diesem Moment fiel viel Anspannung von mir ab.
Doch im Dezember bemerkte ich bei Motte zunehmend Anzeichen von Sodbrennen. Es folgten weitere Untersuchungen – Kotanalyse, Blutwerte – und schließlich die Diagnose einer Dysbiose mit Leaky Gut sowie einem Folsäure- und Vitamin-B12-Mangel.
Wenn man betrachtet, was ihr Körper in den Monaten zuvor durchlaufen hatte, ist das nachvollziehbar. Antibiotika, Herzwurmtherapie, Cortison, Stress – all das hinterlässt Spuren.
Warum ich das teile
Ein Tierschutzhund krank nach Adoption ist kein seltenes Szenario. Und es bedeutet nicht automatisch, dass man etwas falsch gemacht hat.
Ich teile diese Geschichte nicht, um Angst zu machen. Sondern weil viele Menschen sich sehr allein fühlen, wenn nach der Adoption plötzlich Diagnosen auftauchen.
Man kann verantwortungsvoll handeln, sich vorbereiten, testen lassen – und trotzdem mit Situationen konfrontiert werden, die man so nicht geplant hat. Entscheidend ist nicht, ob Angst da ist. Sondern ob man trotz dieser Angst handlungsfähig bleibt.



